Überraschend deutliche Worte zum Thema Konjunktur und Inflation hat Alan Greenspan bereits in seiner gestrigen Rede vor dem US-Bankensektor gefunden. Eigentlich war erst heute in seiner Rede zum Thema Konjunktur vor dem Kongress mit entsprechenden Aussagen zu rechnen. Greenspan äußerte sich positiv über die Konjunktur und den Arbeitsmarkt und sagte, Deflation sei kein Thema mehr. Das wurde von den Märkten als Signal für eine bevorstehende Zinswende gewertet. Daraufhin brachen nicht nur die Aktienkurse ein, auch Euro/US-Dollar fiel über Nacht deutlich unter die Marke von 1,19 USD und markierte Tiefstkurse bei 1,1820 USD.
Weiterhin gehen wir davon aus, dass EUR/USD im Bereich von 1,18/1,19 USD vorerst einen Boden findet, von dem aus eine stärkere Kurserholung starten kann. Allerdings ist auch ein kurzfristiges Abtauchen bis auf den Unterstützungsbereich bei 1,1780/50 USD nicht ausgeschlossen.
Das heute veröffentlichte Protokoll der letzten Sitzung der Bank of England brachte interessante Erkenntnisse: Demnach fiel die letzte Abstimmung 8:1 gegen eine weitere Zinserhöhung aus. Zudem besteht nach Ansicht der Notenbanker keine akute Notwendigkeit für ein weiteres Anziehen der geldpolitischen Zügel. Das Britische Pfund geriet darauf hin unter Druck und auch der Wechselkurs EUR/GBP konnte dadurch wieder bis auf 0,6675 GBP zulegen.
Trotz der bereits gestern getroffenen Aussagen dürfte die heutige Rede von Alan Greenspan vor dem Kongress um 16:00 Uhr MESZ auf großes Interesse stoßen. Die Marktteilnehmer erwarten sich mehr Details zur Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Nach der gestrigen, heftigen Marktreaktion ist es unseres Erachtens am wahrscheinlichsten, dass Greenspan heute einen Tonfall anschlägt, der die Märkte wieder etwas beruhigen könnte.
Roberto
